Gynäkologische Infektionen Teil 1

CME Zertifizierte Fortbildung

W. Mendling
Deutsches Zentrum für Infektionen In Gynäkologie und Geburtshilfe, Wuppertal

Gynäkologische Infektionen Teil 1

Zusammenfassung

Je nach ethnischer Herkunft dominieren vaginal verschiedene Laktobazillusarten, mit mittleren physiologischen pH-Werten zwischen 4 und 5 (!). Das Risiko für eine gynäkologische Infektion hängt ab von der genetischen und immunologischen Disposition, vom Alter, vom Sexualverhalten beider Partner und von (ggf. fakultativ) pathogenen Erregern. Die in Europa mit etwa 20% häufigste Dysbiose ist die bakterielle Vaginose (BV). Der vaginale Biofilm aus Gardnerella vaginalis, Atopobium vaginae, aber auch Laktobazillen ist auch im Urin der Partner zu finden und kann derzeit nicht medikamentös aufgelöst werden, was die häufigen Rezidive erklärt. Die aerobe Vaginitis (AV) scheint ein immunologisches Problem zu sein. BV und AV, Fehlen von Laktobazillen und eine gestörte Mundflora erhöhen, besonders bei Genpolymporphismen, das Risiko für eine Frühgeburt. Die Trichomoniasis bedarf der oralen Partnertherapie. Die Vulvovaginalkandidose, meist verursacht durch Candida albicans, ist leicht zu behandeln. Die chronisch rezidivierende Form ist eine derzeit nur palliativ zu behandelnde Infektion mit allergiformer, inflammatorischer Komponente, gegen die Impfstoffe entwickelt werden. Die Non-albicans-Vaginitis muss kulturell erkannt und individuell behandelt werden.

Schlüsselwörter

Laktobazillen · Bakterielle Vaginose · Aerobe Vaginitis · Trichomoniasis · Vulvovaginalkandidose

Nach Lektüre dieses Beitrags ist Ihnen bekannt, dass

  • die prämenopausale vaginale Laktobazillusflora und ihr pH-Wert bei Frauen verschiedener ethnischer Herkunft unterschiedlich sind,
  • die häufigste Störung, die bakterielle Vaginose (BV), einen an der Vagina haftenden, gegen Antibiotika resistenten bakteriellen Biofilm aufweist, der auch beim Sexualpartner zu finden ist,
  • sich das Frühgeburtsrisiko durch eine BV besonders in Verbindung mit Genpolymorphismen drastisch erhöht,
  • die aerobe Vaginitis eine ätiologisch unklare Inflammation der Vagina mit Nachweis aerober Bakterien, toxischer Leukozyten und Parabasalzellen ist,
  • die Trichomoniasis als sexuell übertragbare Infektion bei beiden Partnern oral zu therapieren ist,
  • die Vaginalkandidose immer durch Candidanachweis und Zeichen der Vulvovaginitis diagnostiziert wird,
  • die chronisch rezidivierende Vaginalkandidose eine Infektion mit allergiformer Komponente und Immunsuppression ist, die oral palliativ behandelt wird, bis eine Impfung bzw. Immuntherapie die Heilungsergebnisse verbessern könnten.

Gynäkologische Infektionen beeinträchtigen das Leben sehr und beanspruchen einen großen Teil der gynäkologischen Praxis. In Forschung, Lehre und Weiterbildung ist dieses wichtige Gebiet im Rahmen der drei etablierten Säulen des Faches jedoch nicht zu bemerken. Für zukünftige Meinungsbildner unseres Faches ist die Beschäftigung mit diesem Gebiet der Karriere kaum dienlich, da Onkologie und Geburtsmedizin dominieren. Es ist für Laien bzw. betroffene Frauen aber unverständlich, dass das Thema Infektionen in der Weiterbildung zum Frauenarzt fehlt und dass in den Richtlinien zur Weiterbildung das von den CDC (Centers for Disease Control and Prevention) sowie von der AWMF (Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlich-medizinischer Fachgesellschaften) und der DGGG (Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe) geforderte Nativpräparat aus vaginalem Fluor nicht vorkommt. So gibt es Weiterbildungseinrichtungen ohne Mikroskop und Fachärztinnen, die in der Praxis vor ihren Patientinnen aus „learning by doing“ ihre eigenen Lehren ziehen. Die 1987 in Freiburg gegründete Arbeitsgemeinschaft für Infektionen und Infektionsimmunologie in der Gynäkologie und Geburtshilfe (AGII) und die 1988 von München aus in Mailand gegründete European Society for Infectious Diseases in Obstetrics and Gynecology (ESIDOG) erarbeiteten infektiologische Leitlinien und Empfehlungen (Geschichte, Leistungen und Namen der AGII erstmals zu lesen auf der Homepage des Verfassers unter dem Link AGII).

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By | 2017-04-04T07:13:17+00:00 April 4th, 2017|Aktuelles|0 Comments