Sexuell übertragbare Infektionen

Sexuell übertragbare Infektionen 2017-02-27T15:42:04+00:00

Project Description

Sexuell übertragbare Infektionen / sexually transmitted infections (STI) bzw. sexuell übertragbare Erkrankungen /sexually transmitted diseaeses (STD)

sind Infektionen/Erkrankungen, die typischerweise durch Sexualkontakte von Mensch zu Mensch übertragen werden (Partnerinfektionen). Kondome bieten deshalb weitgehend Schutz vor deren Übertragung.

Zu den STI/STD zählen die Trichomoniasis, die genitale Chlamydia trachomatis – Infektion, die Gonorrhoe (Tripper), die Syphilis (Lues), der Herpes genitalis, die humane Papillomvirus (HPV-)– Infektion, die Hepatitis B und die Hepatitis C, die Zytomegalie, die HIV – Infektion, Filzläuse und andere seltenere Erkrankungen (Tabelle).

Die weltweit häufigste genitale STD ist mit etwa 190 Mio. Fällen/Jahr die Trichomoniasis gefolgt von der genitalen Chlamydieninfektion (ca. 60 Mio. Fällen/Jahr).

Erregerübersicht sexuell übertragbarer Infektionen

Bakterien als Pathogen

Art Assoziierte Erkrankung
Neisseria gonorrhoeae Urethritis, Prostatitis, Epididymitis, Zervizitis, Endometritis, Salpingitis, “pelvic inflammatory disease” (PID), Perihepatitis, Konjunktivitis, Pharyngitis, Proktitis, präpubertale Vaginitis, disseminierte Gonokokken-Infektion (DGI), Chorioamnionitis, vorzeitiger Blasensprung, Frühgeburt
Chlamydia trachomatis Alle oben genannten, außer disseminierter Gonokokken-Infektion, zusätzlich: Otitis media, Rhinitis und Pneumonie bei Kleinkindern, Reiter-Syndrom, Lymphogranuloma inguinale
Ureaplasma urealyticum Nichtgonorrhoische Nicht-Chlamydien-Urethritis (NGNCU) bei Männern
Mycoplasma genitalium Nichtgonorrhoische Nicht-Chlamydien-Urethritis
Mycoplasma hominis Postpartales Fieber, Adnexitis (?)
Treponema pallidum Syphilis (Lues)
Haemophilus ducreyi Ulcus molle (weicher Schanker, Schankroid, Chancroid)
Calymmatobacterium granulomatis Granuloma inguinale (Donovanosis)
Shigella ssp. Shigellose bei homosexuellen Männern
Campylobacter ssp. Enteritis, Proktokolitis bei homosexuellen Männern

 

Viren als Pathogen

Art Assoziierte Erkrankung
Humanes Immundefizienzvirus (HIV) HIV/AIDS
Herpes-simplex-Virus (HSV) 1 und 2 Initialer und rezidivierender genitaler Herpes, aseptische Meningitis, neonataler Herpes
Humane Papillom-Viren (HPV) Condylomata acuminata, Larynx-Papillome, Intraepitheliale Neoplasien von Vulva, Vagina, Zervix, Anus und Penis
Hepatitis-A-Virus (HAV) Akute Hepatitis-A
Hepatitis-B-Virus (HBV) Akute Hepatitis-B, Chronische Hepatitis-B, hepatozelluläres Karzinom, Polyarteriitis nodosa, chronische membranöse Glomerulonephritis
Hepatitis-C-Virus (HCV) Aktue Hepatitis-C, chronische Hepatitis-C, hepatozelluläres Karzinom, gemischte Kryoglobulinämie, chronische Glomerulonephritis
Zytomegalie-Virus (CMV) Mononukleose, konnatale CMV-Infektion mit schweren Missbildungen und hoher Mortalität
Humanes T-Zell-Leukämie-Virus (HTLV-1) Humane T-Zell-Leukämie, tropische spastische Paraparese
Humanes Herpes-Virus Typ 8 (HHV-8) Kaposi-Sarkom, multizentrische Castleman-Erkrankung; Körperhöhlenlymphom


Protozoen als Pathogen

Art Assoziierte Erkrankung
Trichomonas vaginalis Trichomoniasis
Entamoeba histolytica Amöbiasis bei homosexuellen Männern
Giardia lamblia Lambliasis bei homosexuellen Männern
Giardia lamblia Trichomoniasis


Ektoparasiten als Pathogen

Art Assoziierte Erkrankung
Phthirus pubis Pediculosis pubis (Filzläuse)
Sarcoptes scabiei Skabies (Krätze)

 

In Deutschland ist aber die Chlamydieninfektion die weit häufigste genitale STD. Leider ist sie trotz ihrer vielen Probleme gerade bei allgemein gesunden jungen Frauen kaum in der Öffentlichkeit bekannt, während die viel seltenere und meist eher bei besonderen Risikogruppen vorkommende HIV – Infektion bzw. AIDS – Erkrankung aufgrund starker Öffentlichkeitsarbeit sehr populär ist. Das Problem wurde von verantwortlichen Politikern des Deutschen Bundestages im November 2011 mit Vertretern der AGII, der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau e.V. (ÄGGF) und dem Robert Koch Institut (RKI) diskutiert, um junge Menschen zukünftig mehr auf Chlamydien und andere häufige STD aufmerksam zu machen, so dass eine Prävention möglich ist.

Genaue Zahlen über die Zahl Infizierter sind in Deutschland unbekannt. Das liegt u. a. daran, dass die Meldepflicht der früher sogenannten Geschlechtskrankheiten (Gonorrhoe (Tripper), Syphilis/Lues („harter Schanker“), Ulcus molle („weicher Schanker“) und Lymphogranuloma inguinale) nach Einführung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2000 abgeschafft worden ist. Lediglich Syphilis und HIV – Infektionen müssen derzeit anonym vom Laborarzt als Fall gemeldet werden.

Die Vaginalkandidose zählt nicht zu den STD, bisher auch nicht die bakterielle Vaginose.